Marokko/Mauretanien

vorbereitungen

06.11.2021

Die letzten Tage vor der Abfahrt sind wir mit vielen kleinen Besorgungen und Erledigungen beschäftigt. Besonders die Papiere um einen Hund ins Ausland mitnehmen zu können sind mit viel Aufwand verbunden. Neben dem Heimtierausweis braucht man eine Tollwutimpfung die nicht älter als 6 Monate ist, einen Tollwut-Impftiter-Nachweis und ein amtstierärztliches Gesundheitszeugnis, das nicht älter als 3 Tage ist. Wie das allerdings gehen soll wenn ich mit dieses Gesundheitszeugnis auf meiner zuständigen Bezirkshauptmannschaft ausstellen lassen muss, dann ein paar Wochen am Landweg aus der EU rausrolle, das muss mir erst jemand erklären. Bis wir die EU verlassen ist das Gesundheitszeugnis 4 Wochen alt, naja Bürokratie!

In Zeiten von Corona müssen wir uns natürlich auch damit auseinandersetzen was wir brauchen um in das Land das wir bereisen wollen auch hineingelassen zu werden. Also kommt neben Pass und Führerschein auch der Impfpass und der grüne Pass in die Dokumententasche. Und nachdem jetzt empfohlen wird sich bereits nach 4 Monaten wieder gegen Covid19 impfen zu lassen, werden wir uns noch den 3. Stich holen.

Das Navi muss mit den wichtigsten Straßenkarten bestückt werden, außerdem kommen auf jeden Fall auch die Papierkarten mit auf die Reise. 

Und dann versuche ich mich angestrengt daran zu erinnern was ich das letzte Mal zu viel mitgenommen habe - keine Chance, ich weiß es nicht mehr. Ich werde wahrscheinlich genau das wieder mitnehmen. 

 

Los gehts...

10.11.2021

Nachdem die Corona-Bestimmungen in Marokko um einiges strenger sind als bei uns in Österreich haben wir uns gestern die 3. Covid Impfung geholt damit wir uns im Land frei bewegen können ohne in Quarantäne zu müssen. 

Wir treffen jetzt noch die letzten Vorbereitungen und starten dann den Motor der Enterprise - On the Road again!!!

16.11.2021

Die letzten 6 Tage haben wir damit verbracht durch Österreich und der Schweiz zu tingeln und Freunde und Bekannte zu besuchen. Um unseren Tank - immerhin 300l, aufzufüllen statteten wir Luxemburg einen kurzen Besuch ab und fuhren über Belgien wieder nach Frankreich. Unser erstes Ziel waren die Kreidefelsen von Étretat. Leider war der Wetterbericht nicht berauschend und um die einzigen zwei regenfreien Tage auszunützen fuhren wir bis Mitternacht über unendliche Buckelstraßen bis wir schließlich in der Nähe von St. Quentin zwischen Feldern zum Übernachten stehen blieben. 

Der nächste Tag war tatsächlich regenfrei und so konnten wir die Felsen von Étretat und den tollen Kieselstrand davor trocken bewundern.

 

Alaska hatte mit dem Kieselstrand sichtlich Spaß

Um auch den zweiten regenfreien Tag auszunützen nahmen wir dann die Monsteretappe bis Le Mont Saint Michel auf uns. Auf unserem Weg passierten wir die Pont de Normandie, eine Schrägseilbrücke, die mit 856m die größte Spannweite in Europa besitzt und die Seinemündung überspannt.

Um 21 Uhr erreichten wir Le Mont Saint Michel, ein kleines Dorf mit Kirche auf einer kleinen Insel das 1 km von Festland entfernt im Meer liegt, um es in der Abendbeleuchtung zu bewundern.

Tags darauf gingen wir es etwas entspannter an. Es regnete noch immer nicht und wir wollten uns das Loire - Tal anschauen. Also nix wie hin auf ganz kleinen Straßen mit vielen Kaffee- und Einkaufspausen. Diesmal wollten wir uns auf einen Campingplatz einmieten um die Annehmlichkeit einer Dusche zu nutzen, daraus wurde nichts - alle geschlossen. So parkten wir nun vor einem geschlossenen Campingplatz allerdings mit WLAN - das dürften sie nicht abgeschaltet haben.

17.11.2021

Mit ca. 80km/h durch das Land tuckern, Limoges - Perigueux - Bergerac - Fleurance. Über die App Park4Night haben wir in Fleurance einen tollen Camper Stellplatz direkt an einem Fluss gefunden der aufgrund der Jahreszeit fast uns allein gehört hat. Alaska fand es angenehm wieder mal ohne Leine toben zu können.

 

18.11.2021

Ich wollte mir Lourdes anschauen da ich als Kind das Buch über Bernadette gelesen hatte. Ich erlebte es fast menschenleer, eine wunderschöne Kirche und darunter die Grotte von Massabielle. Und dann gings weiter in die Pyrenäen, über kleine Nebenstraßen erreichten wir den Col d' Aspin in 1489m Höhe mit einem atemberaubenden Rundblick auf schneebedeckte Gipfel. Leider wurde es für den 2. Pass dann schon zu spät (es hätte beim Runterfahren rutschig sein können) und so sind wir wieder über kleine Straßen über St. Girons nach Foix gekommen. Die Suche nach einem Campingplatz gestaltete sich wieder sehr schwierig, entweder waren die Plätze geschlossen oder gar nicht vorhanden - es lebe das Internet mit seinen Falschmeldungen. Wir steuerten schließlich den kommunalen Campingplatz an von dem es hieß er wäre ganzjährig geöffnet. Do weit gefehlt, auch er war geschlossen. Doch standen ein paar Dauercamper auf dem Platz und eine nette Dame telefonierte sofort mit dem Besitzer und wir durften bleiben. Nach 5 Tagen wieder eine warme Dusche - herrlich!

19.11.2021

Bevor wir Frankreich verließen haben wir noch den Supermarkt leergekauft und unseren Kühlschrank mit allerlei französischen Köstlichkeiten gefüllt und dann schraubten wir uns die Serpentinen nach Andorra in die Höhe. Die Berge im Schnee waren wunderschön anzusehen aber die Hotelburgen in dem kleinen Land sehr erschreckend. Bei einer kleinen Pause am Straßenrand entdeckte ich Frühlingsenziane und Wachholder.

Durch Andorra waren wir schnell durch und überquerten die Grenze nach Spanien. Im Ort Ponts fanden wir beim örtlichen Sportzentrum eine Gelegenheit unseren Enterprise für die Nacht abzustellen. 

20.11.2021

Heute haben wir uns mit Herbert und seiner Reisebegleitung Laura in der Nähe von Lleida getroffen und sind gemeinsam bis Cervera del Rio Alhama gefahren wo wir über Park4Night einen netten Stellplatz mitten im kleinen Dörfchen gefunden haben. Abends lernten wir noch ein paar Jugendliche aus dem Ort kennen, die auf dem Parkplatz Party machten.

21.11.2021

Dem Wetterbericht nach hatten wir mit Regen gerechnet, aber der nächste Morgen überraschte uns alle mit strahlendem Sonnenschein. Da wir Pyrite suchen wollten war uns nur mehr als willkommen. Auf dem Weg zur Fundstelle gingen wir durch das halb verlassene Dörfchen Navajún. Es legen hier noch genau 6 Einwohner. Ein Teil des Dorfes ist total verfallen, der andere Teil liebevoll hergerichtet. Neben einem Hotel (Casa Don Pedro) gibt es eine Kirche/Gemeindesaal, 3 Straßenlaternen (die bis 24 Uhr leuchten) einen Kinderspielplatz auf dem sich allerdings nur Katzen tummeln und einen Basketballplatz. Vor dem Dorf ein Parkplatz für die Autos die in dem engen Dorf keinen Platz haben und ein Handymast. 

Rund um das Dorf wird jede ebene Fläche für Felder genützt und sei sie auch noch so klein.

Nach ein paar Stunden Arbeit mit Hammer und Meißel hatten wir ein paar nette Pyrite beisammen.

Unterhalb von Navajún gibt es einen netten Rastplatz mit Wasser, Grillgelegenheit, Tischen und Mistkübel auf dem wir dann die Nacht verbrachten. Es ist dort sehr einsam, es fährt am Tag vielleicht ein Auto vorbei, die Bewohner den Dorfes selber dürften keine Autos haben. Irgendwie hat mich der Ort gefesselt, ich werde wieder kommen!

22.11.2021

Das Wetter wurde immer schlechter in Nord-Spanien und wir sollten schnellstens das Plateau verlassen. Herbert wollte unbedingt nochmal in die Miene und so trennten wir und da wir mit unserer Enterprise viel langsamer sind als Herbert mit seinem Mercedes 508, fuhren wir schon mal voraus. Es war fast ein Wettlauf gegen das Wetter. Überall an den Straßen waren bereits Schneeräumfahrzeuge postiert obwohl noch keine Flocke gefallen war aber es regnete ständig. In St. Esteban de Gormaz legten wir eine Pause ein um auf Herbert und Laura zu warten. Es dauerte noch volle zwei Stunden bis Herberts bunter Hippie-LKW um die Ecke bog. In den nächsten Stunden ging der Regen dann in Schnee über und es wurde immer gefährlicher unseren 9-Tonner auf der Schneefahrbahn zu bewegen. Michael musste sich wahnsinnig konzentrieren. Ein Übernachten auf 1100m kam nicht in Frage da Herbert keine Heizung in seinem Bus hat und wir wussten auch nicht ob ein Weiterkommen am nächsten Tag noch möglich sein würde da uns schon länger keine LKWs mehr überholt hatten. Wahrscheinlich war hinter uns die Straße bereits gesperrt. Und so fuhren wir langsam, manchmal nur 36 km/h Richtung Süden talwärts und je tiefer wir kamen desto weniger Schnee und zum Schluss war es sogar trocken. Das wir dem heftigsten Wintereinbruch seit 50 Jahren in Spanien gerade noch entkommen waren erfuhren wir erst Tage später.

In Plasencia fanden wir einen Park4night - Stellplatz für die Nacht, nicht sehr hübsch aber das war uns an dem Tag wirklich egal. Wir standen trocken und konnten schlafen.

23.11.2021

Der letzte Tag war zu anstrengend, wir sind nur ein paar Kilometer aus der Stadt raus, an der Puente de Alconétar vorbei, an den Stausee vom Rio Tajo - Embalse de José Maria de Oriol-Alcántara II gefahren und einen einsamen Platz gefunden um dort den Tag und eine Nacht zu verbringen. Der See war sehr unheimlich, dunkel und voll mit Grün- und Rotalgen. Drumherum ein Gestrüpp aus Kletten aber auch Schopf-Lavendel und Herbst-Seidelbast.  An Spazierengehen mit Alaska war nicht zu denken, bei jedem Schritt hatte sie einige Kletten in den Beinchen. Außerdem ging es Michael körperlich immer schlechter, er dürfte sich eine Magenverstimmung eingefangen haben. Deshalb machten wir nicht viel und gingen bald schlafen.

24.11.2021

Michael gings heute noch nicht besser aber er wollte fahren. Laura hat sich entschlossen uns zu verlassen und nach Sevilla weiterzureisen. Und so brachten wir sie zum Bus nach Cáceres. Dort wagte ich mich ins Getümmel eines riesigen Einkaufstempels, aber auch das sollte man mal erlebt haben, um das Notwendigste einzukaufen. 

Dann war Laura fort und das machte mich ein wenig traurig, war es doch schön mal ein weibliches Wesen mit auf Reisen zu haben. 

In Badajoz brauchte Michi eine längere Pause und wir vereinbarten mit Herbert dass er schon mal nach Portugal vorausfahren sollte da wir langsamer sein würden.

Wir fanden beim Rio Alcarache bei der Puerte la Bogaña einen wunderschönen Platz zum Übernachten in mitten von riesigen umzäunten Korkeichenwäldern in denen die berühmten Pata Negra - Schweine frei herumlaufen und sich in der Nacht wilde Gefechte liefern.

25.11.2021

Michaels Zustand wurde zwar besser aber immer noch nicht berühmt aber er wollte fahren. Auf kleinen Nebenstraßen tuckerten wir langsam und mit vielen Pausen durchs Land und bei São Leonardo über die Grenze nach Portugal. Quadratkilometerweit nur Olivenbäume, ab und zu Korkeichen oder Obstbäume. Ich beobachtete ein paar Männer bei der Olivenernte, ich glaube die nächsten Oliven werde ich mit mehr Ehrfurcht vor dieser Arbeit genießen.

Schließlich erreichten wir Vila Nova de Milfontes an der Atlantikküste. Am Campingplatz "Camping Milfontes" wartete Herbert schon auf uns. Es gab warmes Essen und endlich nach Tagen wieder eine heiße Dusche. Wir werden ein paar Tage bleiben.

26.11.2021

Wir haben es uns am Campingplatz wohnlich eingerichtet. Nach 14 Tagen war es ganz gut mal das Bett frisch zu beziehen, Wäsche zu waschen und die Enterprise etwas zu säubern. Michael war noch auf Diät, schön langsam kommen seine Kräfte wieder zurück. Am Abend machten wir es uns bei einem Zombie-Film in Herberts Hippie-Bus gemütlich.

27.11.2021

Auch heute gingen wir es gemütlich an, langsam in den Tag hineingleiten ist purer Luxus und tut so gut! Zu Mittag kochte Herbert Hühnchen mit Kartoffelscheiben und am Nachmittag machten wir einen Spaziergang durch die Stadt an den Strand. Die Praia da Franquia ist ein feinsandiger, heller Sandstrand und die Aussicht von der Mündung des Flusses Mira, der hier ins Meer mündet, auf die Stadt mit den weißen Mauern ist wunderschön. Natürlich mussten wir auch die Estátua Arcanjo (Erzengelstatue) besuchen die neben dem Farol de Milfontes/Rio Mira (Leuchtturm) steht und mit dem Utopia-Preis ausgezeichnet wurde. Er soll die Wut und den Schmerz über die Zerstörung unserer Welt darstellen.

Neben dem Leuchtturm am Strand stehen unzählige Steinmännchen, es dürfte hier Usus sein, dass jeder ein Steinmännchen hinterlässt.

Die Häuser sind allesamt weiß gekalkt und die Fenster und Türen mit blauer oder gelber Farbe umrandet. Trotz immer wieder durchzeihender Wolken und einem scharfen Wind vom Atlantik ein wunderschöner Tag.

 

29.11.2021

Heute kam die Meldung das Marokko die Grenzen wegen Corona dicht gemacht hat. Marokko hat kaum Infizierte und will sich das natürlich durch Touristen nicht kaputt machen lassen. Alle Fähr- und Flugverbindungen sind gecancelt, diese Reise können wir vergessen. Wir werden uns jetzt mal mit Georg und Günter in Murcia treffen und beratschlagen wo es nun weiter hingeht. 

Am Abend haben wir noch ein Interrail-Pärchen kennengelernt (Madeleine und Nicolas), sie zum Essen eingeladen und einen sehr lustigen Abend miteinander verbracht.

30.11.2021

Heute hieß es Abschied nehmen von Vila Nova de Milfortes. Wir machten uns Richtung Spanien auf. Herbert wollte uns noch seine Lieblingsbucht zeigen aber Fehlanzeige, dort erwartete uns ein dickes, fettes Wohnmobil-Fahrverbot. Und nicht nur dort, in Portugal darf man seit 1. Jänner 2021 nicht mehr mit dem Wohnmobil auch nur in die Nähe der Strände und Buchten. 

Da ich mir aber unbedingt die Felsen der Algarve anschauen wollte, suchten wir uns in Lagos einen Campingplatz mitten in der Stadt. Er war jetzt nicht unbedingt der Sauberste aber er lag 20 Gehminuten von der Algarveküste entfernt und war auch nicht sehr teuer.

1.12.2021

Heute sind wir schon um 8 Uhr Morgens Richtung Küste losspaziert und ich wurde mehr als belohnt. Traumhafte Buchten und tolle Felsformationen. 

Gegen Mittag verließen wir den Camping Trinidat wieder und fuhren wieder ein Stück bis über die Grenze nach Spanien und fanden in Isla Cristina einen Campingplatz am Meer wo wir die Nacht verbrachten. So wunderschön die Küste auch ist, im Hinterland herrscht oft die Armut.

 

3.12.2021

Nach einer Lagebesprechung stand heute fest dass sich Herberts und unsere Wege nun trennen. Herbert wollte nach Tarifa weiter und wir mussten weiter in Richtung Barcelona wo wir uns mit Georg und Günter treffen wollten. Der drohende Abschied ließ die Stimmung unter uns ziemlich sinken. Aber so ist das, man trifft sich, fährt eine Zeit miteinander und dann trennen sich die Wege wieder. 

Wir wollten uns auf jeden Fall noch Ronda anschauen. Die Stadt liegt auf einem Berggipfel in Andalusien und ist in atemberaubender Weise oberhalb einer Schlucht gebaut. Leider konnten wir aufgrund des Fahrverbotes über 5,5t mit unserer Enterprise nicht in die Stadt reinfahren und außerhalb der Stadt gabs keine Parkplätze (oder wir waren zu blöd sie zu finden). Und so erhaschten wir nur einen kurzen Blick auf die Felsen.

Statt in Ronda zu übernachten fuhren wir weiter in Richtung Granada. Kilometerweite Ackerflächen dehnten sich im Hinterland und wechselten sich mit Olivenplantagen ab. Da es schon finster wurde beschlossen wir uns beim Embalse Conde de Guardalhore, einem Stausee bei Ardales, einen Platz für die Nacht zu suchen. Die Plätze die wir über Park4night fanden waren aber im Dunkeln nicht mehr zu finden und so waren wir dankbar plötzlich einen Campingplatz am Ufer des Sees zu finden - Camping Parque Ardales.